Bodensee

Bo|den|see, der; -s:
See des Alpenvorlands, der vom Rhein durchflossen wird.

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Bodensee
 
[nach der karolingischen Pfalz Bodman], 571,5 km2 großer Alpenrandsee, mit einer größten Tiefe von 254 m (nördlich von Romanshorn). Anrainer sind Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die mittlere Seespiegelhöhe liegt beim Obersee bei 395,45 m über dem Meeresspiegel und beim Untersee bei 395,26 m über dem Meeresspiegel; bei einer Uferlänge von insgesamt 273 km fasst der See eine Wassermenge von rd. 49 Mrd. m3.
 
Zum Teil sind die Grenzen in der Seemitte vertraglich oder durch unwidersprochene Staatenpraxis seit dem Ersten Weltkrieg festgelegt. Eine den ganzen See umfassende Regelung für die Grenzziehung zwischen den Uferstaaten besteht nicht. Der Überlinger See gehört bis zur Linie Eichhorn-Meersburg zum deutschen Staatsgebiet, fischereirechtlich gilt er jedoch als international. Der Untersee ist kraft badisch-schweizerischem Vertrags vom 20. und 31. 10. 1854 auf der Mittellinie geteilt (davon sind Zeller See und Gnadensee deutsches Staatsgebiet). Im Obersee ist nur für die Konstanzer Bucht durch badisch-(d. h. deutsch-)schweizerische Verträge eine Grenze festgelegt. Für den übrigen Obersee ist noch ungeklärt, ob er unter einem Kondominium der Uferstaaten steht oder unter ihnen real geteilt ist.
 
Das Hauptbecken, der Obersee, ist 63,5 km lang und bis zu 14 km breit. Die beiden Zweigbecken im Westen, der sich nach Nordwesten erstreckende, bis 147 m tiefe Überlinger See und der seichtere Untersee (mit Gnadensee und Zeller See), sind durch den aus Molasse aufgebauten Bodanrücken getrennt.
 
Das rd. 400 m in die tertiären Molasseschichten eingetiefte Bodenseebecken ist in erster Linie durch die erosive Tätigkeit des pleistozänen Rheingletschers entstanden. Seine Südost-Nordwesterstreckung (im Gegensatz zu den von Süden nach Norden verlaufenden anderen Zungenbecken des deutschen Alpenvorlands) hat jedoch auch tektonische Ursachen. Die eiszeitliche Überformung hat zur Übertiefung des Bodensees und seiner Zweigbecken, der Markdorfer Rinne und der weit nach Norden greifenden Schussenniederung, beigetragen. Zeugen dieser glazialen Überformung sind die lebhaft modellierten Grundmoränenflächen, die Endmoränenstaffeln, die kleinen, bewaldeten Drumlins, die sich meist auf den Spornen zwischen den Zungenbecken befinden, sowie alte Schmelzwasserrinnen. Der See wird von insgesamt 236 Bächen und Flüssen gespeist. Hauptwasserlieferant ist der Rhein, der am Ostende des Seebeckens sein Delta immer weiter in den See vorbaut. Er durchströmt den Obersee und verbindet ihn (4 km lang, 200-500 m breit) mit dem durch die Konstanzer Moränenstaffel abgetrennten Untersee. Seine stark schwankende Wasserführung beeinflusst den Seespiegel. Im Überlinger See liegt die Insel Mainau, im Untersee die Insel Reichenau, auf einer Insel im Obersee die Stadt Lindau. Die besondere Beckenlage und die Größe der Wasserfläche sind die Ursache für ein deutlich ausgeprägtes Lokalklima im Bodenseegebiet. Die Winter sind mild, die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt mit 8,5 ºC recht hoch. Am Obersee bewirken die Voralpen (Pfänder 1 063 m über dem Meeresspiegel) nach Osten hin eine Zunahme der Niederschläge (Meersburg 790 mm, Bregenz 1 400 mm jährlich).
 
Das milde Klima des Bodenseegebietes begünstigt v. a. den Obstbau, der den früher dominierenden Weinbau (noch im Gebiet um Meersburg und Hagnau betrieben) zurückgedrängt hat. Geerntet werden in erster Linie Tafeläpfel. Eine besondere Bedeutung besitzt der Feldgemüsebau der Insel Reichenau und der Tettnanger Hopfen- und Spargelbau. Die Insel Mainau trägt üppige südliche Vegetation. Der See ist reich an Fischen, besonders Blaufelchen. Bedeutendere Industrie hat sich in den Städten Friedrichshafen, Singen (Hohentwiel) und Konstanz angesiedelt.
 
Die Ufer sind dicht besiedelt. Der Reichtum an alten Kulturgütern, die vielfältige Schönheit der Landschaft und das günstige Klima bilden die Voraussetzung für einen lebhaften Fremdenverkehr. Die meisten Orte sind durch Schiffsverkehr miteinander verbunden. Zwischen Konstanz und Meersburg sowie zwischen Friedrichshafen und Romanshorn (in der Schweiz) verkehren Autofähren.
 
Große Bedeutung hat der Bodensee für die Wasserversorgung des Hinterlandes (insgesamt 18 Trinkwasserentnahmen). In Deutschland reicht die Bodenseewasserversorgung von Stuttgart über Heilbronn bis Bad Mergentheim. Auf deutscher Seite werden pro Jahr durchschnittlich 150 Mio. m3 Wasser dem See entnommen, das sind 1,3 % des natürlichen Abflusses aus dem See. Seit 1959 bemüht sich eine in Sankt Gallen konstituierte internationale Gewässerschutzkommission der Anrainerstaaten um die Reinhaltung des Sees. Nach Fertigstellung von rd. 220 Kläranlagen am See und im gesamten Einzugsgebiet konnte die Wasserqualität erheblich gebessert werden. So konnte der Phosphorgehalt von 87 mg/m3 im Jahr 1979 auf 24 mg/m3 1994 gesenkt werden. Große Probleme bereiten der immer noch zu hohe Phosphorgehalt (Ziel unter 20 mg/m3) aus dem Siedlungsbereich und der Landwirtschaft sowie der starke Besatz mit Booten (1993: rd. 56 000, davon 65 % Motorboote) und die Uferverbauung.
 
Der Bodensee liegt in einer alten Kulturlandschaft. In seinem Umkreis lassen sich zahlreiche mittelsteinzeitliche Siedlungsspuren nachweisen. Die prähistorische Besiedlung der Uferrandzonen erfolgte in der späten Jungstein- und in der Bronzezeit. Die Uferrandsiedlungen (so genannte Pfahlbauten) sind zum Teil mehrfach von Seesedimenten und Mooranwachsschichten überdeckt und lassen Rückschlüsse auf eine wechselhafte Klimageschichte zu. Besonders aussagefähig ist die auf schweizerischer Seite liegende, frühbronzezeitliche Siedlung von Arbon. - Bei den Römern hieß der Bodensee Lạcus Vẹnetus oder Lạcus Brigantinus.
 
 
F. Kiefer: Naturkunde des B.s (21972);
 O. Feger: Gesch. des B.-Raumes, 3 Bde. (2-41975-83);
 
Der B. Landschaft, Gesch., Kultur, hg. v. H. Maurer (1982);
 A. Brugger u. E. Dillmann: Der B. Eine Landeskunde im Luftbild (1983);
 E. Braun u. K. Schärpf: Internat. B.-Tiefenvermessung 1990 (1994).

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Bo|den|see, der; -s: See des Alpenvorlands, der vom Rhein durchflossen wird.

Universal-Lexikon. 2012.

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